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Palandt & Sohnle

(Orghelbau-Firma in Hildesheim 1940)

Die Orgel der Stephanikirche in Aschersleben steht seit ihrer Erbauung nunmehr fast vierzig Jahre unangerührt da. Wenngleich das Werk noch fehlerfrei arbeitet, so weisen doch manche Mängel in der Ansprache und Tongebung der Pfeifen auf erhebliche Verstaubung hin, unter der sich sogar an einigen Stellen bereits der Holzwurmfraß zu zeigen beginnt.
Zum andern ist das Werk im Klange infolge der überaus stark gehäuften 16’ und 8’ Stimmen und der fehlenden Charakterregister viel zu massig, zähe, dumpf und unklar. Dieser Klangzustand wird gerade bei dem Werke in der Staphanikirche untragbar, weil sämtliche Mixturen nicht selbstständig sondern als Anleiheregister ausgebaut sind. Die Orgel stellt tonlich ein versunkenes Klangideal dar, entstanden in einer Zeit, in der man die Orgel mehr oder weniger dem Harmonium anglich. Nachdem sich heute die Wellen der Orgelerneuerungsbewegung gelegt haben, wird bewusst herausgestellt, dass jedes Orgelwerk ein arteigenes Instrument darstellen soll; die einzelnen Werke sollen nicht mehr homogen sondern heterogen disponiert sein. Die Klangauffassung ist wieder zurückgewandt zur Barockorgel und erstrebt jenen klaren, hellen, silberglänzenden Charakter, ohne sich jedoch im reinen Barockklang ganz zu verlieren und darin aufzugehen.
Wir möchten deshalb dem Gemeindekirchenrate empfehlen, neben der notwendigen Reinigung und Antiholzwurmpräparation eine klangliche Änderung der Orgel vornehmen zu lassen. Sie verbilligt sich wesentlich dadurch, als das Werk bei der Reinigung sowieso abgetragen werden muss und zu den Reinigungskosten nur noch die Registernettopreise …

Gemeindekirchenrat

Von St. Stephani Aschersleben (25. April 1944)

Unsere Orgel ist in den letzten Jahren aus Anlass der nach und nach notwendigen Überholungen (Verwurmung und dergleichen Schäden) bis auf das 1. Manual ein Werk von musikalisch und handwerklich hervorragenden Werte geworden. Das 1. Manual befindet sich mit seiner heute unmöglichen Disposition (unter 14 Registern 6 Achtfüßer, keine Aliquoten) und Intonation (kreischende Streicher, streichende Flöten, Rummelplatztrompete, entliehene Mixtur und Kornett) noch im Zustande von 1907. Zum Einbau bereit liegen Quintade 4’, Zimbel 3fach, Gedackt 4’, Nachthorn 2’. Es fehlt nur noch die schon sehr lange bestellte Großmixtur.
Die Arbeiten führte Diplomingenieur Palandt-Hildesheim persönlich aus. Unser Organist Kirchenmusikdirektor Bürger unterstützte ihn immer in wochenlanger Mitarbeit. Als langjähriger Regierungsorgelprüfer für den Regierungsbezirk Magdeburg und aus seiner früheren Tätigkeit als Direktor der Kirchenmusikschule stehen ihm reiche Erfahrungen im Orgelneu- und –umbau, daneben aber auch die nötigen handwerklichen Fertigkeiten zur Verfügung. So werden wir ein
  • Werk von überragender Bedeutung besitzen, das
  • im Sinne des ursprünglichen Charakters wieder hergestellt würde.
Zurzeit sind aus der Orgel von 1717 wieder 19 Register vorhanden und werden nach abschließendem Umbau des 1. Manuales 23 von 37 vorhanden sein, also eine weitgehende Annäherung. Professor Schneider hat das immerhin doch noch unfertige Werk wiederholt gespielt und kann das obige Werturteil bestätigen. Welche Bedeutung unsere Orgel durch die regelmäßigen Orgelvespern für das öffentliche Musikleben als Mittlerin „kultureller Güter“ hat, möge der angefügte Bericht über die 200. Orgelvesper und die kurze Einführung dazu darlegen. Die Zahl 200 bezieht sich nur auf die letzten 5 Jahre. Früher zählten wir nicht, könnten aber Zeitungsnachweise erbringen.
Der ev. Oberkirchenrat hat bei der Einrichtung eines Stellenplanes die bisher nur nebenberuflich versehene Organistenstelle als A-Stelle bestimmt. Wir willigen trotz der bedeutenden Mehrkosten ein. Auch hierin möge man eine hohe Bewertung unserer kirchenmusikalischen, rein gemeinnützigen Kulturbestrebungen erblicken und durch Einreihung des Werkes in Gruppe D anerkennen.

Vorsitzender des Gemeindekirchenrates